Donnerstag, 29.01.15 Gewerkschaftshaus 19:00 Uhr: Vortrag von Jörg Kronauer

8. Januar 2015

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Namensstreit um NS-Bürgermeister Hans Herrmann

15. Oktober 2014

Ernst-Grube2 Ernst Grube, Landesvorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung bayerische Gedenkstätten äußerte sich gegenüber regensburg-digital höchst kritisch über die Stellungnahme zu dem Regensburger NS-Bürgermeister und späteren CSU-Oberbürgermeister, die Stadtheimatpfleger Werner Chrobak und Professor Bernhard Löffler verfasst haben. Der Tatsache, dass Hans Herrmann das Grundstücksreferat leitete, messen die Verfasser keine weitere Bedeutung bei, obwohl klar ist, dass Herrmann damit für die Arisierung in Regensburg die Verantwortung trug. Dazu Ernst Grube, der als Kind die systematische Ausgrenzung und Entrechtung der Juden im NS-Staat am eigenen Leib erfahren hat: „Es wird mit keinem Wort erwähnt, dass jede Enteignung jüdischen Eigentums über Herrmanns Schreibtisch gegangen ist. Dabei hatte diese Arisierung eine brutale Bedeutung: Sie hat die Existenz der Menschen zerstört. Sie war Bestandteil der systematischen Ausgrenzung, ohne die es keine Deportationen und keinen Holocaust hätte geben können“. Auslöser des erneut aufflackernden Namensstreits um die Hans-Herrmann-Schulen war eine Empfehlung des Kultusministeriums vor gut einem Jahr. Der Spaenle-Wink mit dem Zaumpfahl – samt Hinweis auf Arisierung – bewirkte nicht viel. Zum Kapitel Arisierung sagen die beiden Historiker lediglich, dass die Grundstücksakten der NS-Zeit „für die Stellungnahme nur punktuell in Augenschein genommen und keineswegs aufgearbeitet werden“ konnten. So wird man die Schande nicht los.

Regensburg, 10. Mai 2013 – Der Tag, als sich die Nazis die dritte Abfuhr holten

21. Mai 2013

Bis hier her und nicht weiter.!

Bis hier her und nicht weiter.! “Nach Hause gehen!” Foto: as

Das Engagement zahlreicher Menschen verhinderte am Abend des 10. Mai 2013 einen Marsch des Freien Netz Süd (FNS) durch Regensburg. Obwohl sich ihr Vorhaben erst eine Stunde vor Beginn in der Stadt herum sprach, wurden die aus ganz Bayern angereisten Neonazis bereits bei ihrer Ankunft am Bahnhof mit dem nötigen Protest empfangen. Unverrichteter Dinge mussten sie „nach Hause gehen“.

Eine „Privatperson“ sei es gewesen, die im Laufe des 10. Mai eine Eilversammlung angemeldet hatte, behauptete Ordnungsamtschef Santfort später. Regensburg, 10. Mai 2013 – Der Tag, als sich die Nazis die dritte Abfuhr holten weiterlesen »

Polizei und Verfassungsschutz am 10. Mai 2013 in Regensburg

21. Mai 2013

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Die Polizei meldet: „Eilversammlung ruft Gegendemonstranten auf den Plan“

10. Mai am Hauptbahnhof: Der Nazi-Pulk versuchte mehrfach die Polizeikette zu durchbrechen. Mehrfach wird zugeschlagen. Journalisten werden bedroht und gefilmt. Foto: as

10. Mai am Hauptbahnhof: Der Nazi-Pulk versuchte mehrfach die Polizeikette zu durchbrechen. Mehrfach wird zugeschlagen. Journalisten werden bedroht und gefilmt. Foto: as

Legt man die Pressemeldung des Polizeipräsidiums Oberpfalz zugrunde, dann wusste die Polizei sehr wohl Bescheid über die „Privatperson“, von der Ornungsamtschef Santfort als Anmelder der Nazi-Eilversammlung gesprochen hatte: Anmelder war „ein in Niederbayern wohnhafter Mann, der der rechten Szene zuzuordnen ist.“ Polizei und Verfassungsschutz am 10. Mai 2013 in Regensburg weiterlesen »

Der Fall Maldaque – Toleranz mit Todesfolge – eine Rezension aus Ossietzky 6/13

geschrieben von Renate Hennecke

28. März 2013

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Die Weimarer Republik sei an zuviel Toleranz gegenüber ihren Feinden von links und rechts zugrunde gegangen. So ist es zu lesen auf den Websites deutscher Verfassungsschutzämter. Beim mecklenburg-vorpommerschen Amt beispielsweise heißt es, die Weimarer Reichsverfassung sei »vom idealistischen Demokratiemodell der ›reinen Toleranz‹ geprägt« gewesen. Dabei sollte angeblich »jede politische Strömung … die Möglichkeit haben, sich durchzusetzen, soweit sie nur die erforderliche Mehrheit im Parlament erreichen konnte«. Deshalb habe man auf effektive Instrumentarien gegen Verfassungsfeinde verzichtet. Die Vorlage zu diesem Text findet sich beim Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz: »Die Weimarer Republik hat bei der Bekämpfung der Feinde der Demokratie versagt. Die erste freiheitliche Verfassung Deutschlands, die Weimarer Reichsverfassung, war vom Demokratiemodell der reinen Toleranz geprägt. Gegenüber den Feinden dieser Staatsform sollte Nachsicht geübt werden, ihre feindliche Haltung gegenüber dem Staat sollte hingenommen werden. Den Feinden der Weimarer Republik wurde hierdurch ermöglicht, völlig legal an die Macht zu kommen.«
Es war also die übertriebene Begeisterung deutscher Polizeipräsidenten, Bürgermeister und Minister für die Demokratie, die den Faschisten den Weg ebnete?

Wie und wo Toleranz geübt und nicht geübt wurde und wie es aussah mit der Liebe zur Demokratie bei denen, die am Ende der Weimarer Republik das Sagen hatten, erfährt man am Beispiel Regensburg aus dem Buch »Der Fall Maldaque – Ein Willkürakt mit Todesfolge«, das soeben im Verlag Friedrich Pustet erschienen ist. Elly Maldaque war Volksschullehrerin in der von der Bayerischen Volkspartei (BVP) regierten Bischofsstadt. 1930 wurde sie von einem Spitzel der Politischen Polizei als angebliches Mitglied der KPD denunziert, fristlos aus dem Schuldienst entlassen und zwangsweise in eine psychiatrische Klinik verbracht, wo sie elf Tage später starb.

Das Schicksal der bei ihren Schülerinnen und deren Eltern beliebten 36jährigen Lehrerin erregte einst ganz Deutschland und war auch in jüngerer Zeit Gegenstand von Kontroversen. In der gesamten Presse (auch in der Weltbühne) wurde der Fall diskutiert. Ödön von Horváth schrieb darüber ein Dramenfragment, der Regensburger Schlossermeister, Schauspieler und Bühnenautor Josef Wolfgang Steinbeißer ein Theaterstück, Walter Mehring eine Ballade und Franz Hummel die Oper »An der schönen blauen Donau«. Seit 2007 bemüht sich das Regensburger »Theater an der Uni« darum, den Namen »Elly Maldaque Theater« zu erhalten; Studentenwerk und Uni-Verwaltung zeigen dafür keinerlei Verständnis. 1982 veröffentlichte der Tübinger Literaturwissenschaftler Jürgen Schröder sein Buch »Horváths Lehrerin von Regensburg – Der Fall Elly Maldaque«, in dem er der Frage nachging, inwieweit Horváth sich an die historischen Tatsachen gehalten hat. Noch nie zuvor sind jedoch die Ereignisse, die zum Tod von Elly Maldaque führten, so umfassend recherchiert und so sorgfältig im Kontext des politischen Umfeldes verortet worden wie in der neuen Publikation des Autorenquartetts Waltraud Bierwirth, Luise Gutmann, Klaus Himmelstein und Erwin Petzi.

Im ersten Teil des Buches beschreibt der Erziehungswissenschaftler Klaus Himmelstein »das kurze Leben der Elly Maldaque«: ihre Kindheit in Erlangen, wo Kaserne und Exerzierplatz das Lebensumfeld der beiden Kinder des königlich-bayerischen Fachoffiziers Wilhelm Maldaque bildeten; ihre bayerisch-patriotische und deutsch-nationale Erziehung und Ausbildung; ihre Lehrtätigkeit an der (damals) protestantischen Von-der-Tann-Schule in Regensburg; ihre Auseinandersetzung mit dem fanatisch-religiösen Vater und ihre Hinwendung zu sozialen Fragen. Sehr differenziert zeichnet Himmelstein Maldaques Begegnungen mit Persönlichkeiten wie dem Armenarzt August Kerscher in Nittenau, dem französischen Dichter, Pazifisten und Kommunisten Henri Barbusse, den sie zusammen mit ihrer Freundin Irene Neubauer in Frankreich besuchte, oder dem Regensburger KPD-Stadtrat Konrad Fuß, auf dessen Bitten sie hin und wieder bei Parteiveranstaltungen Klavier spielte. Zur aktiven Kommunistin sei Maldaque damit nicht geworden, schließt Himmelstein: »Vergleicht man Maldaques Weg mit dem der 16 Jahre älteren Sozialistin Antonie (Toni) Pfülf, die sich ebenfalls aus einem konservativen Offiziersmilieu befreite, Volksschullehrerin in München wurde, aus der Kirche austrat und schließlich Reichstagsabgeordnete der SPD für den Wahlkreis 25, Niederbayern und Oberpfalz, also auch für Regensburg, wurde, dann fällt auf, daß hier die Abkehr vom ›Alten‹ und die Wendung zum Sozialismus in konkrete politische Arbeit mündete. Maldaques schwärmerisches, idealistisches Bekenntnis zum Kommunismus läßt noch keine reale politische Konsequenz erkennen.« Aber schon Elli Maldaques Suchen außerhalb eingefahrener Wege, ihre Unvoreingenommenheit und ihr solidarisches Verhalten auch gegenüber gesellschaftlichen Außenseitern, ihr Bemühen um eine eigenständige emanzipatorische Entwicklung waren zu viel für die Weimarer Toleranz. Von Spitzelberichten über die Anwesenheit einer Lehrerin mit französisch klingendem Namen bei KPD-Veranstaltungen führte der Weg zur »bayerischen Entlassung« wegen angeblicher kommunistischer Betätigung und Freidenkertum und zum Tod der Maldaque in der Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll.

Konrad Fuß und dem Umgang mit ihm von Seiten der guten Regensburger Gesellschaft ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Der KPD-Stadtrat, Sozialpolitiker und Freidenker überlebte das KZ Dachau und den Krieg, zu dem der »Wehrunwürdige« 1943 noch eingezogen wurde, und kehrte 1946 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft nach Regensburg zurück. Bei der Kommunalwahl 1952 wurde er wieder in den Stadtrat gewählt. »So wie in den Jahren der Weimarer Republik profilierte sich Konrad Fuß erneut als engagierter Sozialpolitiker. Sein Kontrahent war ein alter Bekannter: Hans Herrmann, einst unwiderruflicher BVP-Bürgermeister, dann Nazi-Bürgermeister, jetzt CSU-Oberbürgermeister. Er ging mit den beherzten Dringlichkeitsanträgen des Stadtrats Konrad Fuß so um, wie er es früher handhabte: Ablehnung oder Überweisung an den Ausschuß, in dem das Anliegen nicht mehr zur Sprache kam.«

1968 gehörte Konrad Fuß zu den Gründungsmitgliedern der Regensburger DKP. Für die jungen Linken in und außerhalb der Partei war der alte Kommunist eine wichtige Informationsquelle über die Stadtgeschichte. Luise Gutmann, damals junge Lehramtsstudentin in Regensburg: »Von ihm erfuhren wir auch die Geschichte Elly Maldaques, was im Januar 1977 zur szenischen Lesung des Dramenfragments von Ödön von Horváth im Augustiner führte.«

Aktueller Grund für die Wiederentdeckung des »Falles Maldaque« durch die Studenten war die Praxis der Berufsverbote aufgrund des sogenannten Radikalenerlasses von 1972. Waltraud Bierwirths Kapitel »Über die Kontinuität von Gesinnungsschnüffelei und Obrigkeitsstaat« ist – neben Klaus Himmelsteins Schilderung der Lebensgeschichte Elly Maldaques – der spannendste Teil des Buches. Gibt es noch eine Erinnerung in der Stadt an die grausame Geschichte von 1930? Ehemalige Schülerinnen erinnern sich gern an ihre Lehrerin mit den ungewohnt modernen Lehrmethoden. Andere wollen sich nicht erinnern, wollen auch die Erinnerung nicht wieder hochkommen lassen. Aufschlußreich die Tendenz, Elly Maldaque, für deren Tod Politiker der gutbürgerlich-katholischen BVP verantwortlich waren, als »erstes Opfer der Nazis« hinzustellen. Verbirgt sich dahinter die Ahnung, wie tolerant der Umgang der Obrigkeit mit den Nazis, wie groß die antikommunistische Gemeinsamkeit mit ihnen war? Oder soll mit der BVP einfach nur die Partei entlastet werden, in deren Nachfolge sich die CSU heute versteht?

Urkomische Episoden aus der Geschichte der Regensburger Universität hat Bierwirth bei ihren Berufsverbote-Recherchen erfahren. Und auch Geschichten wie die des Diplomsoziologen Fred Karl, den der Freistaat Bayern wegen seines linken Engagements einer wissenschaftlichen Laufbahn für unwürdig hielt und der es unter ungeheurem Kraftaufwand in einem anderen Bundesland dann doch schaffte und zum international renommierten Pionier auf dem Fachgebiet der Sozialen Gerontologie wurde.

Ein umfangreicher Dokumententeil, eine Zeittafel, ein hauptsächlich von Erwin Petzi sorgsam zusammengestelltes Kompendium mit Kurzbiographien von Personen und Organisationen, die im Leben von Elly Maldaque eine Rolle gespielt haben, sowie ein ausführliches Literaturverzeichnis ergänzen den Band.

Als Werbung für eine Stärkung des bestehenden »Verfassungsschutzes« ist das Buch nicht brauchbar, wohl aber als Anregung zu Überlegungen, welche Toleranz notwendig und welche ungeeignet ist, um Demokratie und Menschenrechte effektiv zu schützen.

Waltraud Bierwirth, Luise Gutmann, Klaus Himmelstein, Erwin Petzi: »Der Fall Maldaque – Ein Willkürakt mit Todesfolge«, Verlag Friedrich Pustet, 302 Seiten, 29,95 €

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es kann legitim sein, was nicht legal ist

16. Januar 2013

Fast zwei Jahrzehnte begleiteten die FilmemacherInnen den Widerstandskämpfer und ehemaligen KZ-Häftling Martin Löwenberg (87) mit der Kamera und suchten im Gespräch mit ihm und dem gemeinsamen Freund Konstantin Wecker nach Antworten auf die Fragen: Woher nimmt dieser Mann in seinem Alter das Verständnis für die praktische Tat, das Handeln, die jugendliche Ungeduld? Woher kommen seine Kraft und sein Mut? Wie entstand seine Unbeugsamkeit gegenüber staatlicher Willkür und Autoritäten? Und warum leuchten seine Augen noch immer auf, wenn er planend und organisierend politisch aktiv wird für soziale Gerechtigkeit, gegen Ausgrenzung und Krieg?

Als Jugendboxer trainierte Martin Löwenberg im Breslauer Postsportverein Stephan und verprügelte in der Freizeit mit seinen Freunden mehrfach den Streifendienst der Hitlerjugend. Sie wehrten sich gegen die zunehmende Repression und Verfolgung unangepasster Jugendlicher. Später arbeitete er mit seinem älteren Bruder Fred in einem organisierten Widerstandsnetzwerk und unterstützte osteuropäische Zwangsarbeiter mit Brotmarken und Informationen über den Kriegsverlauf. Im Mai 1944 nahm ihn die Gestapo fest. Nach tagelangen Verhören wurde er ins KZ Flossenbürg deportiert. In den KZ-Außenlagern Thil und Leitmeritz musste Martin Löwenberg bis zu seiner Befreiung selbst Zwangsarbeit in unterirdischen Stollen leisten. Historische Foto- und Filmdokumente zu seinen Erzählungen werden dabei mit den Aufnahmen der aktuellen Topografie dieser Handlungsorte konfrontiert.

Mit der Biografie Martin Löwenbergs schlägt der Film einen Bogen über hundert Jahre Zeitgeschichte. Er dokumentiert auch das politische Engagement von Löwenberg nach 1945 gegen die Remilitarisierung der Bundesrepublik, seine Verfolgung als Kommunist genauso wie seine Unterstützung von Roma-Flüchtlingen in der KZ-Gedenkstätte Dachau, die Verhinderung von Naziaufmärschen oder seinen Kampf für die Entschädigung von ehemaligen ZwangsarbeiterInnen. Durch die Recherchen in deutschen und polnischen Archiven ist es gelungen, bisher unbekanntes Filmmaterial zu finden, das den Protagonisten bei historischen Ereignissen in Aktion zeigt wie z.B. der Beerdigung von Philipp Müller 1952, dem ersten von der Polizei erschossenen Demonstranten der jungen Bundesrepublik.

Diese subjektive Protestgeschichte wird verknüpft mit aktuellen Interviews und historischen Bildmaterialien (Fotos und Filme von 1909 bis 2011) aus Wroclaw, früher Breslau, Dachau, Flossenbürg, Essen und München zu einer filmischen Zeitreise über hundert Jahre. Martin Löwenberg spricht von seinen Visionen damals nach der Befreiung aus dem KZ und heute. Er entwickelt im Film eine besondere Form der Reflektion von Geschichte; dabei verschränken sich die Ebenen von Zeit und Inhalt in Erzählsträngen, die die Vergangenheit in der Gegenwart präsent werden lassen.

Regensburger Initiative „Keine Bedienung für Nazis“ bekommt Luther-Preis

9. November 2012

Der Preis „Das unerschrockene Wort“ der sechzehn Luther-Städte würdigt Zivilcourage und wird 2013 an die Regensburger Initiative „Keine Bedienung für Nazis“ verliehen.Die Initiative „Keine Bedienung für Nazis“ hatte sich nach einem Überfall von fünf Nazischlägern auf das Regensburger Lokal Picasso im Sommer 2010 gegründet. Der tätliche Angriff mit Fäusten und Stiefeln war ein rassistisch motivierter Racheakt und galt dem 22-jährigen Barkeeper, der sich wenige Wochen vorher schützend vor eine dunkelhäutige Frau gestellt hatte.

Unter dem Motto „Rassisten werden hier nicht bedient“ startete die Initiative „Keine Bedienung für Nazis“ daraufhin eine breit angelegte Aufklärungs-kampagne gegenüber der Regensburger Gastronomie und der Öffentlichkeit. Über 150 Wirte haben bis heute eine Erklärung unterzeichnet mit dem Facit:

„Nazis und andere Rassisten haben in unseren Räumen nichts zu suchen. Wir dulden keine rassistischen, diskriminierenden Äußerungen in unserem Lokal. Wir werden diese Leute nicht bedienen!“

Trotz allem: die fünf Nazis, die das Picasso überfallen und seinen Barkeeper verletzt hatten, blieben auf freiem Fuß. Die Staatanwaltschaft sah keinen Haftgrund. Erst drei Monate und so viele Straftaten später (gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, Volksverhetzungs- und Beleidigungsdelikte) wanderten die Fünf in U-Haft. Der Prozess wurde im Mai 2011 eröffnet. Der Hauptangeklagte kassierte eine Gesamtstrafe von sechseinhalb Jahren. Den übrigen Tatverdächtigen sei „kein Tatbeitrag nachzuweisen“: vier mal Freispruch im Fall „Picasso“. Die Initiative „Keine Bedienung für Nazis“ hatte mit ihrer Aufklärungskampagne dem Picasso-Fall große öffentliche Aufmerksamkeit verschafft. Und es ist nicht das kleinste ihrer Verdienste, dass der Fall vor Gericht kam. Auch nach dem Prozess blieb die Initiative weiter am Ball. Mit einem Ratgeber für Wirte vertiefte sie ihre Aufklärungsarbeit gegenüber der Gastronomie. Eine eindeutige Positionierung der Stadtspitze, die hilfreich gewesen wäre, blieb dagegen aus.

Jetzt sind die Würfel in Eisleben gefallen. Die Luther-Städte zeichnen die Regensburger Initiative „Keine Bedienung für Nazis“ mit dem Preis „Das unerschrockene Wort 2013“ aus. Es ist Samstag, der 10. November und die Stadt Regensburg feiert mit 250 Gästen im historischen Reichssaal des Alten Rathauses ihre Erhebung zur Freien Reichsstadt vor 767 Jahren mit einem Festakt und vergibt gerade selber Preise, da spricht sich die Entscheidung von Eisleben herum. Jetzt freuen sich alle. „Ich freue mich sehr über diesen Preis“, sagt Oberbürgermeister Hans Schaidinger gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung. Die Initiative sei vorbildlich, auch weil sie aus der Mitte einer betroffenen Bürgerschaft kommt.

„Das sind viele schöne Worte. Aber wir brauchen Taten“, so Sion Israel, Mitgründer der Initiative zur Mittelbayerischen Zeitung. Auch Regensburg lasse Optionen ungenutzt. Als Beispiel nennt er die Strategie, NPD-Auftritte geheim zu halten, um Neonazis keine PR-Plattform zu bieten; das erschwere öffentlichen Protest gegen braune Parolen. Der Vertreter der Preisträger erinnert darüber hinaus an den Auftritt von „Frei.Wild“ am 3. November 2012. Die Band, die dem rechten Umfeld zugeordnet wird, durfte in der Donau-Arena singen. Regensburg solle die Halle verweigern. Die Stadt könnte eine Pionierrolle spielen und bei „Frei.Wild“ als erste Kommune Haltung zeigen. Mit dem Preis werden Personen geehrt, „die bedeutsame Aussagen gemacht und gegenüber Widerständen vertreten haben.“ Auf die Regensburger Preisträger trifft diese Bestimmung des Preisstatuts voll und ganz zu. Der Luther-Preis „Das unerschrockene Wort 2013“ ist mit 10.000 Euro dotiert und soll am 13. April 2013 in Eisleben verliehen werden. Herzlichen Glückwunsch!

65 Jahre VVN – Festveranstaltung im Hesperidengarten bei Regensburg

1. September 2012

Liebe Freundinnen und Freunde der VVN – Bund der Antifaschisten, liebe Irmgard Zauner, lieber Ernst Grube, liebe Kameradinnen und Kameraden!Es ist mir eine Freude, Sie heute hier begrüßen zu können. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten in Regensburg und Bayern wurde 65 Jahre alt. Das ist ein großer politischer Erfolg, denn es hat nicht wenige Versuche gegeben, ihr das Lebenslicht auszublasen. Das gelang auch deshalb nicht, weil der VVN – Bund der Antifaschisten in den vergangenen sechs Jahrzehnten verlässliche Freunde und Mitstreiter zur Seite standen. Sehr gern begrüße ich Franz Schindler, SPD-Landtagsabgeordneter aus Schwandorf. Mit dem Vorsitz im NSU-Untersuchungsausschuss im Landtag hat er einen schwierigen Job übernommen. Ich begrüße die Regensburger Landtagsabgeordnete Margit Wild und ihre Kollegin Maria Scharfenberg von den Grünen. Mein herzliches Willkommen gilt allen Gästen und Mitstreitern aus der Stadt, der Kommunalpolitik und den Organisationen wie den Falken und dem DGB, mit denen wir seit Jahren im Ziel verbunden sind: Kein Platz für Nazis.

Im September vor 65 Jahren, es war Sonntag, der 14. September 1947, lud die VVN zur Gedenkfeier an die „Opfer des Faschismus“ ins Regensburger Stadttheater ein. Es war brechend voll und die vielen hundert Männer und Frauen waren sich mit dem Festredner, dem bayerischen Staatskommissar Philipp Auerbach einig: Ohne die Verfolgten, die Männer und Frauen, die gestern gelitten haben, wird es keinen demokratischen Neuanfang geben. Philipp Auerbach war Jude und SPD-Mitglied, Unternehmer und aktiver Widerstandskämpfer gegen die Nazis. 1940 war er verhaftet worden. Er überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald und wurde von den Amerikanern 1946 in München für rassisch, religiös und politisch Verfolgte, für die Wiedergutmachung, eingesetzt. Er war einer der Mitbegründer der VVN.

Mehr als 900 Mitglieder zählte die VVN Regensburg 1947 als der organisations-politische Rahmen stand, und der Sozialdemokrat Alfred Liebreich zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde. Die früheren Differenzen zwischen den Parteien, insbesondere zwischen den Arbeiterparteien, hatten angesichts der realen Erfahrungen von Krieg und Naziherrschaft ihre Bedeutung verloren. Überall in der Oberpfalz, in Schwandorf, Weiden, Amberg oder Sulzbach-Rosenberg, hatten die politischen Gegner des Naziregimes örtliche VVN-Vereinigungen gegründet. Der demokratische Neubeginn sollte eine moralische und politische Legitimation haben. Die Stimme des politischen Widerstands. Mit Antifaschistischen Ausschüssen und Hilfswerken hatte die Arbeit der KZ-Überlebenden nach ihrer Befreiung begonnen. Die Fürsorge für die Überlebenden, für die Opfer der Nazis, stand am Anfang, als die mit dem roten Winkel der politischen Gefangenen aus den Konzentrationslagern in ihre Heimatstadt Regensburg zurückkehrten.

Die Jahre des Grauens in den Konzentrationslagern Dachau und Flossenbürg hatten dem Sozialdemokraten Fritz Enderlein und dem Gewerkschafter Michael Burgau den Blick für das Elend auf Regensburgs Straßen nicht getrübt. Am 27. Juni 1945 schrieben sie mit zwei weiteren Kameraden einen Brief an die Alliierte Militärregierung und Oberbürgermeister Titze. Sie baten um die Erlaubnis, ein Hilfskomitee zur Unterstützung entlassener KZ-Häftlinge zu gründen. Auf den Straßen der Stadt hatten sie Befreite aus den Konzentrationslagern in den gestreiften Häftlingskleidern getroffen. Den Unbehausten wollten sie mit Kleidern und dem Nötigsten helfen. Dafür brauchten sie einen leerstehenden Laden oder ein Lokal, um eine Anlaufstelle einzurichten. Der von den Amerikanern eingesetzte Oberbürgermeister reagierte schnell. Auf der Rückseite ihres Briefes antwortete Gerhard Titze noch am selben Tag an Fritz Enderlein. Er habe Anweisung für die Einrichtung von sechs Sammelstellen gegeben. Zwei Tage später veröffentlichte die „Regensburger Post“, das von den Amerikanern herausgegebene Mitteilungsblatt, den Aufruf „Hilfe für KZ-Häftlinge“. Ja, es wurde von den Regensburgern gespendet: Bettwäsche, Wolldecken, Handtücher, Kleidung und 72 000 Reichsmark. „Es gab auffallend hohe Spenden von politisch Belasteten für die Betreuung von politisch Verfolgten“, kommentierte ein Briefschreiber die dicke Spende vom Milchwerk. Dieses war in der Bevölkerung als Nazihochburg verschrieen, denn mit zackigen Betriebsappellen hatte dessen Direktor die Beschäftigten regelmäßig traktiert.

Auf das politische Engagement und die aktive Mitarbeit der Antifaschisten waren die Oberbürgermeister Gerhard Titze und ab Juli 1946 Alfons Heiß angewiesen, wenn sie das Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus mit Leben erfüllen und die Entnazifizierung der Täter verwirklichen wollten.

Und Nazis gab es jede Menge in Regensburg. Etwa 8 000 Nazitäter und Belastete hatten die Amerikaner im Internierungslager Regensburg gefangen gesetzt, und 5 601 Personen waren bei der ersten Wahl zum bayerischen Landtag und dem Volksentscheid über die bayerische Verfassung „wegen Nazizugehörigkeit“ nicht in die Wählerliste aufgenommen oder gestrichen worden. In Regensburg war es nicht leicht unbelastete bürgerliche Kandidaten für die Besetzung der Spruchkammern für die anstehenden Entnazifizierungsverfahren zu finden. Mitglieder der VVN, ob Sozialdemokraten, Kommunisten, Christen oder Gewerkschafter, stellten sich dieser Aufgabe. Sie wollten Sühnemaßnahmen für all das Leid und den Kummer, der Millionen Menschen zugefügt worden war, ermöglicht sehen. Die Schuldigen sollten hart bestraft werden, die Nachsicht galt den jungen Menschen. Das drückte sich Ende 1946 in einer großen Jugendamnestie aus.

In der Bevölkerung waren die Spruchkammerverfahren bald verhasst. Die Bestrafung der wirklich Schuldigen in allen Bereichen hatten die Alliierten an sich gezogen. Wie „Die Politische Säuberung“, so hieß die tägliche Rubrik in der Heimatzeitung, in der Praxis ablief, verstärkte die weit verbreitete Ansicht: „Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen.“ Die Folgen: Schmähungen, Drohungen, Bombenattentate auf Antifaschisten.

Im März 1947 waren auf die Räume der VVN in Nürnberg zwei Bombenattentate verübt worden. „Machtvoller Protest gegen die Bombenwerfer“ schrieb die von Nazi-Gegner Karl Esser herausgegebene Mittelbayerische Zeitung über die Kundgebung der VVN am 1. April 1947 im Regensburger Neuhaussaal. Aus heutiger Sicht erstaunlich weitsichtig urteilte der damalige VVN-Landesvor-sitzende Ludwig Schmitt: „Nicht die Bajonette der Besatzungsmächte, sondern die eigene Kraft mit dem Terrorismus fertig zu werden, wird für die demokratische Kraft Bayerns entscheidend sein.“ Ende 1947, die Amerikaner drängten massiv auf die Beschleunigung der Verfahren, der bereits längst eingesetzte „Kalte Krieg“ nahm an Stärke zu, zogen sich viele VVN-Mitglieder aus den Spruchkammerverfahren zurück. So hatten sich die Nazi-Gegner „die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln und den Aufbau einer neuen Welt des Frieden und der Freiheit“ gemäß dem Schwur der KZ-Gefangenen von Buchenwald nicht vorgestellt.

Seine Mitarbeit stellte auch Michael Kumpfmüller, 2. Vorsitzender der VVN und stellvertretender Vorsitzender der Spruchkammer III auf den Prüfstand. Der gelernte Schmied und Kommunist Kumpfmüller hatte als Monteur bei der Reichsbahn in Regensburg gearbeitet. Ende 1941 war er verhaftet worden, weil er hungernden sowjetischen Kriegsgefangenen mehrmals Butter- und Schinkenbrote geschenkt hatte. So stand es in den Akten des Nürnberger Sondergerichts, das ihn zu 20 Monaten Zuchthaus verurteilt hatte. Aus der Haft heraus wurde er dem Strafbataillon 999 überstellt. Er sollte Partisanen in Griechenland jagen. Michael Kumpfmüller desertierte zur griechischen Freiheitsarmee.

Die Spruchkammern hatten es nach 1947 schnell raus, wie aus hauptschuldigen Schweinehunden auf dem Verfahrensweg über Berufungskammern, Kassationshof und erneuten Verhandlungen Minderbelastete und Mitläufer wurden. Die Persilschein-Politik wurde zum Kennzeichen der Adenauer-Ära und begleitete den Weg der Nazi-Größen in eine mehrheitlich antisemitisch und faschistoid eingestellte Gesellschaft. Das gilt auch für Regensburg und dafür stehen die Biografien des SS-Brigadeführers und Nazi-Oberbürgermeisters Schottenheim und seines Adlatus Hans Herrmann, der es schon bald wieder zum CSU-Oberbürgermeister schaffen sollte. Der Weg in eine bürgerliche Existenz mit alten Macht- und Politikansprüchen war vollends geebnet, als der Bayerische Landtag im Juli 1950 die Entnazifizierung für beendet erklärte. Der so vorgenommene Schlussstrich unter die politische wie strafrechtliche Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und die im Eiltempo verabschiedeten Amnestiegesetze in der Adenauer-Ära sollte Folgen haben, die bis heute nachwirken.

In Regensburg schlug nun auch die Stunde von ehemaligen SS- und Gestapo-Angehörigen, ihre Wiederverwendung im Polizeidienst einzufordern. Auf der Liste der zu übernehmenden Gestapo- und SS-Mitglieder standen 23 Namen plus der von Kriminalrat Teichmann, ehemals SS-Hauptsturmführer. Auch für die ehemaligen Gestapo-Angehörigen Pilz, Götz und Scherm, alle mit Erfahrung in der Partisanenbekämpfung, fand sich Verwendung: „Verstärkung des K IIIa.“ Das war die politische Polizei beziehungsweise der Verfassungsschutz. Da wollte aus dem Bereich der Kripo keiner freiwillig hin. Also wurde angeordnet. Es liegt auf der Hand, Mutmaßungen über Traditionslinien beim Inlandsgeheimdienst, dem Verfassungsschutz anzustellen, insbesondere nachdem die Organisation Gehlen voll integriert worden war.

Warum sich aus dem Bereich der Kripo keiner freiwillig in die Dienststelle K IIIa melden wollte, liest sich in einem polizeilichen Aktenvermerk in Regensburg so: „Der Grund scheint in mangelnder demokratischer Haltung, in zu geringem Vertrauen auf den Bestand der Demokratie und dem Mangel an Verständnis für die Aufgaben des Verfassungsschutzes zu liegen.“ Die Schulung in Hitlers Geheimpolizei, der Gestapo, brachten die ersten Verfassungsschützer freilich mit in ihren neuen Job: Und so dauerte es dann auch nicht mehr lange, bis die Verfolgten des Naziregimes wieder zu Verfolgten wurden.

Die Geschichte wie die politische Arbeit der VVN ist eng mit den politischen Zeitläuften der Bundesrepublik verknüpft. Im Mai 1971 erfolgte die Öffnung der VVN zum „Bund der Antifaschisten“. Die 68er-Bewegung hatte die Vergangenheitspolitik, den Umgang mit Faschismus, Krieg und Nazi-Tätern auf die Tagesordnung gesetzt. Gegen das Erstarken der NPD und neuen Nazis machten die ehemaligen Verfolgten und die jungen Antifaschisten gemeinsam Front. In einer gemeinsamen antifaschistischen Organisation.

Für die VVN – Bund der Antifaschisten in Regensburg wird der Widerstand gegen alte und neue Nazis auch in Zukunft die wichtigste politische Aufgabe bleiben. Die Hintergründe für die zehn Morde der NSU-Mörder, davon fünf allein in Bayern, müssen aufgeklärt werden. Wir erwarten auch eine Antwort darauf, warum der bayerische Verfassungsschutz in den vergangenen Jahren, angefangen beim Oktoberfest-Attentat bis heute, das Gewaltpotential der Neonazis so falsch einschätzte und wegschaute, wo hinschauen geboten war. Wir werden unsere Kampagne für ein NPD-Verbot so lange fortsetzen,bis diese Partei verboten ist.

Der zweite Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Erinnerungspolitik. Was etliche Großstädte bereits erreicht haben, die NS-Zeit in ihrer Stadt zu dokumentieren, um Wissen anhand von authentischen Dokumenten zu vermitteln, ist in Regensburg bis heute auch nicht ansatzweise gelungen. Nur einmal im Jahr, bei unserem alljährlichen Gedenkweg für die Opfer des Faschismus am 23. April, dem Beginn des Todesmarsches der 400 KZ-Gefangenen des Colosseum wird Erinnerung sichtbar gemacht. Nichts erinnert an das Leiden und Sterben vieler Tausend Zwangsarbeiter bei Messerschmitt und anderen Rüstungsbetrieben der Stadt. Die Forderung nach der Errichtung eines NS-Dokumentationszentrums zur Vermittlung, Sammlung und Erforschung der lokalen Geschichte des Faschismus ist auch Aufgabe einer kritischen Stadtgesellschaft. Arbeiten wir gemeinsam daran.

Zum Bericht “NPD-Aktivistin lässt sich in Feilitzsch nieder” vom 8. August 2012

8. August 2012

Es könnten einem fast die Worte fehlen angesichts dieser “Neuigkeiten”, die für ja nur für die einfachen Bürgerinnen und Bürger “Neuigkeiten” sind und nicht für die Verantwortlichen in den Behörden und Räten. Die Frage muss gestellt werden: Wer hat denn wann welche Informationen wie lange schon gewusst und sie vor der Öffentlichkeit verborgen?

Am 7. April 2012 – Ostersamstag – gaben sich die Neonazis auf dem Regnitzlosauer Postplatz die Ehre und wurden von vielen Gegendemonstranten empfangen. Wusste man da schon etwas von Unterhartmannsreuth?

Was war vor dem 1. Mai 2012 bekannt? – zur Erinnerung: da gab es einen Nazi-Aufmarsch in Hof und eine prachtvolle Gegendemonstration u. a. mit Herrn Bundesinnenminister Dr. Hans Peter Friedrich!

Was wusste man vor dem 9. Juni 2012? An diesem Tag trafen sich in Oberprex Menschen mit rechtsextremer Weltanschauung mit Gleichgesinnten aus Tschechien zum munteren Gedankenaustausch mit Musik, und an der Regnitzlosauer Kirche wurde nach einer Gedenkandacht ein großes Transparent mit der Aussteigeradresse    www.aussteigerhilfe.de     zerstört.

Was bedeutet es für unsere Region, wenn sich Menschen mit rechtsextremer Gesinnung hier Immobilien kaufen?

Es bedeutet nicht nur, dass hier die Preise niedrig sind. Es bedeutet in erster Linie, dass sie sich hier sicher fühlen, dass sie akzeptiert werden, wenn sie sich “höflich und hilfsbereit” verhalten und sich “sehr zugänglich” präsentieren. Alles das gehört aber zur Strategie der Neonazis. Das wahre Gesicht der “netten Freunde” wird in diesem link deutlich:

https://www.facebook.com/photo.php?fbid=143132622460307&set=a.143132519126984.30528.142976405809262&type=3&theater

Frank Rennicke, der bereits gesehene Gast in Unterhartmannsreuth, kandidierte bereits zweimal für die NPD als Bundespräsident. Er ist einschlägig bekannt. Der Interneteintrag dürfte in jedem Fall strafrechtlich relevant sein.

Und wie schnell das alles geht: “Elektro- und Rundfunk-FS-Großhandel, Dienstleistungen im technischen Bereich, Vertrieb von Medien und Werbeartikeln” kann man im Gewerbeverzeichnis der Gemeinde Feilitzsch finden. Man braucht nicht viel Phantasie um sich auszumalen, welche Medien und Werbeartikel angeboten werden sollen.

Fazit: nach dem Desaster mit der NSU = Nationalsozialistischer Untergrund, die zehn Jahre lang mordend durchs Land zogen ohne auch nur verdächtigt zu werden, ist man jetzt dabei, einer Region den braunen Stempel aufdrücken zu lassen. Dies geschieht absolut verharmlosend. Für die Opfer des NS-Regimes muss es als äußerst herabwürdigend angesehen werden.

Wir leben in einer freiheitlichen Demokratie, und die Menschen mit rechtsextremer Gesinnung nutzen alle Freiheiten, die unser Rechtsstaat für alle Menschen vorsieht. Sie verbreiten ihre Gedanken, als hätte es den verheerenden Holocaust nicht gegeben; sie leugnen und verharmlosen die dunkelste Zeit, die unser Land erlebt hat. Gerade nach dem Kauf von Oberprex 47 durch einen eigentlich bekannten Vertreter dieser Spezies müssten alle Bürgermeister und Gemeinderäte sensibilisiert sein und sich genau erkundigen, wer sich für welche Immobilie interessiert.

Wenn man dann noch die Bevölkerung mit beschwichtigenden Äußerungen zu beruhigen versucht, – “Unterhartmannsreuth ist nicht Oberprex” – braucht man sich nicht wundern, wenn bald weitere Häuser eine eindeutige Flagge auf dem Dach haben.

Regensburger Nazigegner_innen stoppen NPD-Truck auf Neupfarrplatz

31. Juli 2012

Regensburg – Wo immer die NPD mit ihrem Laster auftauchte, schlug ihr geharnischter Protest lautstark und deutlich entgegen: Kein Platz für Nazis in Regensburg! Die Strecke zu ihrem Kundgebungsplatz war dicht.Es ist ein politischer Skandal, dass die NPD schließlich auf dem Neupfarrplatz ihre Lautsprecher aufbauen konnte, dem Platz des jüdischen Viertels bis 1519, dem Platz der Bücherverbrennung 1933, dem Platz der Nazi- und Kriegsgegner, die 1942/43 von hieraus von der Gestapo verfolgt wurden.

Die Anmeldebehörde der Stadt hatte im Vorfeld jede Information der Öffentlichkeit über den NPD-Auftritt ausdrücklich abgelehnt ebenso wie eine Anmeldung des Neupfarrplatzes für eine Protestkundgebung gegen die NPD. Diesem Ärgernis zum Trotz: Am Neupfarrplatz blieb der NPD-Truck stecken. Die braune Propaganda ging im anhaltend lautstarken Protest vollkommen unter. Mittendrin läuten die Glocken der Neupfarrkirche. Stundenlang verlegten Nazigegner_innen dem NPD-Truck den Weg. Ihnen gehört der Erfolg des heutigen Tages!

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