Freitag, 19.09.14 Gewerkschaftshaus 19:00 Uhr: In Italien verurteilt – in Deutschland verjährt

22. August 2014

Über das ungesühnte SS-Massaker in Sant’Anna di Stazzema

Referent: Hermann G. Abmayr, Journalist und Filmemacher aus Stuttgart

Im Morgengrauen des 12. August 1944 dringen mehrere Kompanien der 16. Panzergrenadierdivision „Reichsführer SS“ aus vier Richtungen in das Bergdorf  Sant’Anna di Stazzema in der Toskana ein. Als sie nach wenigen Stunden den Ort verlassen, liegen 400 Menschen tot auf dem Boden oder in den Trümmern ihrer Häuser – durchsiebt von Maschinengewehrsalven, verstümmelt, verbrannt. Frauen, alte Männer und über hundert Kinder; das jüngste war 20 Tage alt.

Jahrzehntelang lebten die SS-Mörder unbehelligt in Westdeutschland. Manche gaben Interviews, berichteten von dem Massaker und ihrer Rolle. Erst Ende 2002 nimmt die Staatsanwaltschaft Stuttgart ein Verfahren gegen 17 Beschuldigte auf.

2004 und 2005 klagt die italienische Justiz an. Das Gericht in La Spezia verurteilt zehn der beteiligten SS-Männer wegen hundertfachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. In Abwesenheit. Deutschland lieferte die Mörder nicht aus.

2012 stellte Oberstaatsanwalt Bernhard Häußler in Stuttgart nach zehn Ermittlungsjahren das Verfahren gegen die SS-Mörder ein. Verjährt – das Massaker wäre „spontan“ vor Ort „passiert“.

Der Fall Sant’Anna ist zum Politikum geworden.

Eine Veranstaltung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten Regensburg, SJD Die Falken Bezirk Niederbayern / Oberpfalz, ver.di Oberpfalz Jugend in Kooperation mit Rosa Luxemburg Stiftung Bayern Kurt Eisner Verein.Logo-Block-unten-RGB

Shortcut to Justice Dokumentarfilm, Freitag, 13.06.14 um 19:15 Uhr, Andreasstadel

2. Juni 2014

shortcut_plakat_webDer Dokumentarfilm Shortcut to Justice erzählt die Geschichte der „Frauen für Gerechtigkeit“ und die Geschichte der „Nari Adalat“ Frauen, die in Gujarat und anderen indischen Bundesstaaten aktiv sind. Die „Frauen für Gerechtigkeit“ und die „Nari Adalat“ Frauen wehren sich couragiert und solidarisch gegen Unrecht und Gewalt.

Die Vereinten Nationen und medica mondiale setzen den Film in vielen Ländern für die Frauen- und Menschenrechtsarbeit ein. Wir zeigen den Dokumentarfilm von Sybille Fezer und Daniel Burkholz in der erweiterten Neufassung von 2014 (54 Minuten). Sybille Fezer ist Filmemacherin, Frauen- und Menschenrechtsexpertin. Daniel Burkholz ist Filmemacher und Rechtsanwalt.

Beitrag der VVN-BdA zum Gedenkweg 2014

23. April 2014

23. April Plakat - Demoaufruf

Luise Gutmann am 23. April, dem Antifaschistischen Gedenktag Regensburgs:

Wir sind an der letzten Station des Gedenkwegs, auf dem Dachauplatz angekommen. Ein langer Weg und eine lange Geschichte liegen hinter uns.

„Nehmt eure Kinder mit und weiße Tücher und schreit fest.“ Das war am 23. April 1945 der Aufruf zur „berühmten“ Frauendemonstration, die die kampflose Übergabe der Stadt an die amerikanischen Truppen forderte. Der Domprediger hatte das Wort ergriffen – eher beschwichtigend, aber er nahm die Forderung der Frauen auf. Ein Gestapobeamter riss ihn vom Sockel. Weitere Festnahmen folgten. Am nächsten Tag sahen die Regensburger den Domprediger hängen, hier auf dem Dachauplatz an einem provisorischen Galgen, neben ihm hing Josef Zirkl, unter den beiden Toten lag Michael Lottner, der während der Demonstration am Tag zuvor in der Kreisleitung erschossen worden war.

In seiner ersten Bekanntmachung – nach der Befreiung – wandte sich der neue Oberbürgermeister Gerhard Titze an die Bürger Regensburgs:

„3 Tage vor dem Einmarsch der Alliierten Truppen ist hier in Regensburg ein entsetzliches, durch ein Hitlergericht sanktioniertes Verbrechen geschehen. Der Domprediger Dr. Johann Maier ist dafür, dass er darum bat, die Stadt nicht im aussichtslosen Kampf zu verteidigen, zum Tode verurteilt und durch den Strang hin gerichtet worden.

Wir wollen dies niemals vergessen! Zur Erinnerung an diesen aufrechten und edlen Priester habe ich daher die Ritter von Epp-Straße in „Dr. Johann Maier-Straße“ umbenannt. Mit Domprediger Maier sind noch 2 weitere aufrechte Männer den Opfertod gestorben. Wir gedenken auch ihrer.

Darüber hinaus habe ich angeordnet, dass bei der Wiedereröffnung der hiesigen Schulen und jeweils am 24. April in allen Schulklassen in einer Ansprache des Domprediger Dr. Maier gedacht werden soll.“

Diese Mahnung und die Anordnungen des Oberbürgermeisters sollen hier zitiert sein. Denn sie wurden in Regensburg gründlich vergessen.

Erst Anfang der 70er Jahre, als Studenten der noch jungen Universität die „Initiative zum 23. April“ ergriffen, sollte sich das ändern. „Im Gedenken an die Nazi-Opfer – Seid heute wachsam!“ war ihre Losung, und der 23. April wurde ein fester Termin in unserem Kalender.

Um unserer Sache Gewicht und Ansehen zu verleihen, wandten wir uns an diejenigen, die es wissen mussten, Widerstandskämpfer gegen den Faschismus, Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter.

Die Liste der Widerstandskämpfer und Gewerkschafter ist lang, die im Laufe der Jahre zum Gedenken an die letzten Regensburger NS-Opfer auf dem Dachauplatz zur Wachsamkeit aufriefen, hier nur wenige Namen:

Josef Felder, Emil Carlebach oder Martin Löwenberg traten gemeinsam auf mit Paul Köllner, Prof. Dr. Gustav Obermair, Christine Schanderl und Hanna Zellner.

Bewusst stellen wir uns in diese Tradition.

Widerstandskämpfer hatten damals eine andere Rolle als später die „Zeitzeugen“. Nicht so sehr ihre moralische Autorität war ausschlaggebend. Vielmehr waren sie der lebende Beweis, dass es auch anders ging im „3. Reich“, dass man widerstehen konnte. Nicht „alle“ hatten mitgemacht, wie man uns weismachen wollte. Ihre bloße Anwesenheit war ein Stachel in der allgegenwärtigen Verlogenheit im Umgang mit der „jüngsten“ Vergangenheit. Zudem waren sie nicht nur ehemalige Widerstandskämpfer und Verfolgte sondern aktuell weiterhin politisch aktiv. Wir wollten sie sehen und hören, egal ob wir ihre Meinung teilten oder nicht. Im Gegenteil, was wir selber sagen wollten, sagten wir auch selber.

Das Transparent mit den Namen der Colosseum-Häftlinge prägt den Gedenkmarsch durch die Stadt seit vielen Jahren. Die Erinnerung an die KZ Opfer geht mit uns zum Dachauplatz. „Gedenken ist eine Pflicht“, diese Widmung schrieb Otto Schwerdt jedem Schulkind in sein Buch „Als Gott und die Welt schliefen“.

Ein würdiges Gedenken an Opfer ist eine individuelle und zugleich eine gesellschaftliche Sache. Die nimmt uns niemand ab, (selbst wenn alle Inschriften passen und alle Steine gepflegt werden). Deshalb bekräftigen wir die Losung von damals: „Im Gedenken an die Nazi-Opfer – Seid heute wachsam!“ „Den Toten zur Ehr – den Lebenden zur Mahnung: Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!

Gedenkweg für die Opfer des Faschismus 2014

26. März 2014

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23. April Plakat - DemoaufrufMi. 23. April Beginn 17:00 Uhr Stadtamhof

1. Station: Colosseum Denkmal

Wir gedenken der 400 Gefangenen des Außenlagers Colosseum des KZ Flossenbürg. Im März 1945 waren sie zur Zwangsarbeit bei der Reichsbahn in Regensburg eingesetzt. Für diejenigen, die den Terror bis dahin ertragen hatten, begann in der Nacht vom 22. auf den 23. April der Todesmarsch. Die Befreiung erlebten nur wenige nach 278 km am 1. Mai bei Laufen an der Salzach.

2. Station: Neupfarrplatz – Karavan-Kunstwerk

Auf dem Neupfarrplatz gedenken wir der Opfer der „Neupfarrplatzgruppe“ (Oktober 1942 – Juni 1943): Josef Bollwein, Post-facharbeiter; Johann Eibl, Vorarbeiter; Josef Haas, Invalide; Franz Herzog, Arbeiter bei der Wehrmacht; Johann Kellner, Arbeiter; Max Massinger, Gastwirt; Johann Schindler, Kasseninspektor; Georg Zaubzer, städt. Arbeiter. Sie wurden ermordet, weil sie sich gegen den Krieg und für die Beseitigung des NS-Regime äußerten.

3. Station: Kranzniederlegung an der Jüdischen Gemeinde

Die rund 400 Juden in Regensburg wurden enteignet, beraubt und verschleppt. An die 270 wurden ermordet. Unter ihnen Alice Heiß im KZ Auschwitz und Simon Oberdorfer in KZ Sobibor. Im April 1942 fanden die ersten Deportationen statt, im April 1945 die letzten. Die Synagoge wurde zerstört – vor 75 Jahren.

4. Station: Gedenktafel für Wolfgang Waller, Minoritenweg 9

Wolfgang Waller, Häftling mit dem lila Winkel der Zeugen Jehovas, starb als christlicher Märtyrer am 6. Juli 1940 im KZ Mauthausen. Drei aktive Gruppen der Ernsten Bibelforscher leisteten in Regensburg Widerstand gegen das NS-Regime und verweigerten den Kriegsdienst.

5. Dachauplatz – letzte Station des Gedenkwegs

In Erinnerung an die Frauendemonstration für die kampflose Übergabe der Stadt gedenken wir der Opfer des 23. April 1945: Dr. Johann Maier, Domprediger (39), Josef Zirkl, Lagerarbeiter (70), Michael Lottner, Hauptwachtmeister a.D. (46). Sie wurden ermordet, weil sie das Ende des Krieges und die kampflose Übergabe der Stadt forderten.

Positionen zur Erinnerungskultur und Erinnerungspolitik in Regensburg

geschrieben von Waltraud Bierwirth, Ilse Danziger, Luise Gutmann, Reinhard Hanausch, Dieter Weber

26. März 2014

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